Stress – 7 Tipps und Strategien wenn es nicht mehr weiter geht

Ich kann nicht mehr, was nun?
Ich halte den Stress nicht aus.

Gestern Vormittag treffe ich eine gute Freundin auf einen kurzen Espresso. Ich frage sie, wie es ihr geht. Ihre Antwort überrascht mich wenig. „Soweit alles ok, ziemlich im Stress halt. Wenn das so weiter geht lande ich bald im Burnout.“

Das Thema Stress und Burnout ist allgegenwärtig in unserem täglichen Leben. Manchmal denke ich, es gehört fast schon zum guten Ton gestresst zu sein. Kaum jemand antwortet auf die Frage wie es geht nicht mit einem Stresslevel.

Permanenter Stress und drohender Burnout werden als selbstverständlich hingenommen und scheinen eine „normale“ Begleiterscheinung unseres Arbeitslebens zu sein. Es scheint dazuzugehören, dass wir Stress haben.

Auch wird unsere Leistung und Leistungsfähigkeit oft in Stress gemessen. Im Stress zu sein wird oft gleich gesetzt mit, gefragt zu sein, wichtig zu sein, gebraucht zu werden. Es entsteht der Eindruck, dass es ohne mich nicht geht. Stress ist ein Statussymbol.

Wenn Du trotz Stress eine gute Leistung erbringen kannst, wenn Du alles unter einen Hut bringst, dann bist Du ein guter Mitarbeiter, bist leistungsfähig und wirst gelobt.

Das stimmt mich bedenklich.

Permanenter Stress, Druck und das Gefühl der Überforderung haben massive Auswirkungen auf unsere Gesundheit – körperlich wie psychisch.

Wir sprechen von „gesundem Stress“, wenn wir mit Begeisterung an einer Sache arbeiten und dabei kurzfristige Belastungssituationen erleben. Um mehr darüber zu erfahren kannst Du Dir die Arbeiten des Stressforschers Hans Selye anschauen.

Wie geht es Dir? Gehört permanenter Stress auch zu Deinem Alltag?

Wieviel Stress ist normal?

Diese Frage ist schwer zu beantworten und kann allgemein gültig wohl nicht in einem Satz formuliert werden. Das Stressempfinden ist sehr individuell und hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab.

Zum Beispiel führt Stress im Mutterleib im Erwachsenenalter zu einem intensiverem Stressempfinden und deutlich erhöhten Krankheitsrisiko (laut Biopsychologe Clemens Kirschbaum).

Wir wissen über viele Ursachen und Auswirkungen von Stress auf unsere Gesundheit. Lies‘ dazu auf der BeMe Website bei Stressbewältigung nach.

Eine sehr anschauliche und wissenschaftlich belegte Auswirkung ist die Wundheilung. Wunden heilen bei Stress um vieles langsamer.

Aurelija Weiger schreibt in Ihrer Arbeit zu Wundmanagement über mehrere Studien, die belegen, dass sich die Wundheilung bei Stress verzögert. Ein Beispiel zeigt, wie bei Patienten Stanzbiopsien im Gaumen durchgeführt wurden. Bei einer Gruppe kurz vor den Sommerferien und bei der zweiten Gruppe wenige Tage vor einer großen Prüfung. Bei der Gruppe, die die Prüfung absolvieren musste verzögerte sich die Wundheilung um bis zu 40%.

In Deutschland und Österreich stehen 40 Prozent der Erwerbstätigen ständig bzw. häufig unter Stress.

Du bist nicht alleine.

Wieviel Stress vertrage ich?

Individuell kannst Du für Dich selbst einschätzen wieviel Stress für Dich normal bzw. vertretbar ist.

Es geht darum Deine eigene Wahrnehmung zu schärfen und Dein Empfinden für Dein Wohlbefinden und Deine Belastung gut einschätzen zu können.

Faktoren, die Du dabei heranziehen kannst, sind folgende:

1. Erforsche Deine Situation

Mit einem bewussten Blick auf Deine Situation werden Probleme deutlich und Du kannst sie zurückverfolgen.

Woher kommt der Stress? Zu viele Aufgaben im Job? Ständiges Multitasking? Sind Deadlines zu eng gesteckt? Sind viele Aufgaben neu und Du weißt nicht so genau wie Du sie angehen kannst? Gibt es Missverständnisse und Konflikte? Ist die private Situation zurzeit aufreibend? Hast Du regelmäßige Erholungsphasen?

Stelle Dir diese Fragen und viele weitere, die Dir einfallen, um herauszufinden woher der Stress kommt.

2. Mach‘ Dir die Situation bewusst

Wie geht es Dir? Kommst Du mit der stressigen Situation zurecht? Was für einen Einfluss hat Deine Situation auf Dein Umfeld?

Überlege Dir auf einer Skala von 0 bis 10 wie Du momentan Deinen Stresslevel einschätzt. 0 bedeutet Du bist überhaupt nicht gestresst und alles ist im Lot. 10 heißt Du kannst nicht mehr und nichts geht mehr.

mein aktueller Stresslevel

 

Was bedeutet Deine Einschätzung auf der Skala für Dich?

Ist es eine vorübergehende Stresssituation? Kannst du noch für eine gewisse Zeit damit umgehen? Oder brennt der Hut und Deine Belastungsgrenze ist erreicht. Dein „Ich-kann-nicht-mehr-Moment“ ist da. In diesem Fall musst Du dringend etwas unternehmen!

Der persönliche Ich-kann-nicht-mehr-Moment ist meist am Ende eines anstrengenden Prozesses. Er ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Im Vorfeld hat sich bereits vieles angestaut.

Die Symptome und Anzeichen dafür sind für viele Menschen sehr unterschiedlich. Schau‘ bitte dazu auf der BeMe Website unter Stressbewältigung nach.

Was kannst du tun? Hier meine 7 Tipps, wenn es nicht mehr weiter geht:

 1. Vertraue Dich jemanden an.

Es ist wichtig, dass Du Dich nicht noch weiter zurückziehst. Familie, ein guter Freund oder eine Vertrauensperson im Arbeitsumfeld können gute Zuhörer sein und Dir weiterhelfen. Nimm‘ Unterstützung an und suche jemanden, der Dir den Rücken stärkt und zu Dir hält.

Wenn das private und berufliche Umfeld auf Dauer keine Linderung Deiner Situation bringt, ist es an der Zeit professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

2. Gestalte Deinen Arbeitsalltag bewusst. 

Führe eine Routine ein und plane jeden Arbeitstag. Manche Menschen planen gerne am Abend zuvor, manche in der Früh beim ersten Kaffee. Suche für dich die optimale Arbeitsplanung und mache sie dann zur Routine.

Dazu gehört, dass Du

  • realistische Pläne machst und Dinge zu Ende bringst
  • Prioritäten setzt
  • Überlegst, wann du erreichbar bist und wann Du Emails liest und kommunizierst
  • Nein sagen lernst
  • Pausen machst
  • überlegst ob jede Aufgabe perfekt sein muss

Ich habe dazu bereits über JobCrafting geschrieben, schau‘ einfach mal in diesem Artikel nach. Du findest auch weitere Infos im Artikel „Unglücklich im Job“.

3. Gestalte Deine Freizeit bewusst.

Wenn Du Deine Freizeit bewusst gestaltest, führt es dazu, dass Du lernst abzuschalten und die Freizeit nicht einfach nur an Dir vorbeizieht. Deine Freizeit erhält einen Wert.

Du kannst Dir zum Beispiel bereits am Montag etwas für Freitagabend vereinbaren. Du kannst dir einen fixen Termin für einen Spaziergang oder das Fitnessstudio eintragen. Oder einen Leseabend einplanen. Kochen zu zweit. Filmeabend. Und noch vieles mehr.

Deine Fantasie und Deinen Hobbies sind keine Grenzen gesetzt.

Wichtig dabei ist, es bewusst zu tun!

4. Gehe spazieren.

Um akute Ich-kann-nicht-mehr-Phasen zu überwinden, kann ein Spaziergang in der Natur Wunder wirken. Sauerstoff und Bewegung bringen den Kreislauf auf Trab und mit etwas Glück spazierst du in der Sonne. Sonnenlicht sorgt für Energie und bessere Laune.

Spaziergänge regen den Denkprozess an und steigern die kognitive Leistung. Eine Lösung kann leichter gefunden werden.

5. Tue Dir Gutes.

Wahrscheinlich hast du schon länger nichts mehr nur für dich getan.

Wer erschöpft, ausgelaugt und gestresst ist, gönnt sich meist nichts. Keine Pausen, kaum Erholung, Freude und Spaß kommen zu kurz. Genauso wie eine kleine Belohnung.

Belohne dich und tue Dir Gutes!

Ein freier Tag oder Abend. Lass Deine Seele baumeln. Ein feines Abendessen im Lieblingslokal. Ein Kinofilm, Wellnesstag, neue Schuhe oder Kleidung. Ich bin mir sicher, Dir fallen wunderschöne Belohnungen für Dich ein.

6. Überstürze nichts.

Der Gedanke liegt sicher nahe, einfach die Situation zu verlassen und einen neuen Job zu suchen. Meist löst dies das Problem jedoch nicht und Du befindest Dich bald wieder in einer ähnlichen Situation.

Wenn Du in der Situation bist, dass Du nicht mehr kannst, ist es nur verständlich, dass Du Deinen aktuellen Job möglichst schnell kündigen möchtest. Bevor Du jedoch überstürzt ein neues Jobangebot annimmst, ist es wichtig Dir Gedanken zu machen was du wirklich willst und brauchst.

7. Frage Dich was du wirklich möchtest!

Überlege Dir genau was Du auf keinen Fall mehr möchtest und welche Situationen Du in Zukunft vermeiden möchtest. Danach überlege Dir was du brauchst, um Dich wohl zu fühlen und eine gute Leistung erbringen zu können. Was gibt Dir Energie? Welches Arbeitsumfeld möchtest Du? In welchem Umfeld und mit welchen Aufgaben fühlst Du Dich nicht gestresst?

Fazit

Stress zu haben ist salonfähig geworden ist und wird meist als „normale“ Situation in unserem Alltag angesehen. Dieses Verhalten rund um Stress ist sehr bedenklich. Permanenter Stress führt zu massiven gesundheitlichen Beeinträchtigungen, physisch wie psychisch.

Das Schönreden „Stress ist gesund“ hilft da nur bedingt. Denn das Stressempfinden ist individuell unterschiedlich. Sobald wir im Alltag von Stress sprechen, empfinden wir ihn typischerweise als belastend und nicht unbedingt als anregend und leistungssteigernd.

Es geht darum Deine eigene Wahrnehmung zu schärfen und Dein Empfinden für Dein Wohlbefinden und Deine Belastung gut einschätzen zu können.

Wenn Du Deine Situation erforschst und sie Dir bewusst machst, ist das bereits ein erster Schritt in Richtung Stressbewältigung.

Gibt es bereits Situationen, die über den Alltagsstress hinausgehen und länger andauern? Häufen sich die Ich-kann-nicht-mehr-Momente?

Dann ist es Zeit Unterstützung zu holen. Führe Gespräche mit Familie und Freunden und auch mit einem Coach oder Psychologen Deines Vertrauens.

Ich wünsche Dir alles Gute. Schau‘ auf Dich!

Ich freue mich über Deine Gedanken, Kommentare und Erfahrungen!

Alles Liebe,
Deine BeMe

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